Von der Schweiz nach Belgien
Ankunft: Der fabrikneue G1 in Brüssel-Anderlecht am 26. Mai 1956. Bild. Collection E. Keutgens.
Endstation: Der G2 in Merelbeke. Bild: Collection E. Keutgens.
Feierabend: Alle drei Gyrobusse im Depot in Merelbeke. Bild: Collection E. Keutgens.
 
Die Vorarbeiten für den Gyrobus-Betrieb in Belgien gehen zurück ins Jahr 1955, als die «Société Nationale des Chemins de Fer Vicinaux» am 11. Februar bei der schweizerischen MFO drei Gyrobusse bestellten. Bei FBW in Wetzikon ging die Bestellung zur Lieferung von drei Gyrobus-Chassis am 9. Mai 1955 im Büro von Verkaufschef Lindenmeyer ein. Damals war die Geschäftsleitung bei «Herr Franz», dem Sohn des Firmengründers Franz Brozincevic, die Betriebsleitung lag bei Herrn Tschupp und im Technischen Büro zeichnete Herr Manigley verantwortlich. Die drei Chassis mit den Nummern 3898, 3899 und 3900 wurden am 5.Dezember 1955, 6. Januar 1956 und 17. Januar 1956 mit zu je 31'000.- Franken fakturiert und an MFO geliefert. Rund fünf Monate dauerte die Fertigstellung bis am 26. Mai 1956 das erste Fahrzeug per Bahn in Brüssel ankam. Bereits am 10. September waren alle drei Busse mit den Bezeichnungen G1, G2 und G3 im Einsatz auf der 9.6 Kilometer langen Strecke zwischen Gent und Merelbeke. Die mit total 70 Plätzen (davon 35 Sitze) ausgestatteten, 11.7 Tonnen schweren, 10.7 Meter langen, 2.4 Meter breiten und 3.2 Meter hohen Busse ersetzten eine 1955 eingestellte Vororts-Strassenbahnlinie. Die Energie wurde aus dem 12'000-Volt-Wechselstromnetz auf 500-Volt transformiert und über sechs entlang der Fahrstrecke eingebaute, 4.8 Meter hohe Pylone an die Fahrzeug-Pantographen übertragen. Bereits am 24. November 1959 wurde der Gyrobus-Betrieb durch Dieselbusse ersetzt. Am 26. Januar 1970 musterte die Betreibergesellschaft die Gyrobusse definitiv aus. Heute existiert vom Wagenpark einzig der G3, welcher sich heute im «Vlaams Tram- en Autobusmuseum» in Antwerpen-Berchem befindet. Letztmals wurde der Gyrobus G3 mit der FBW-Chassis Nr. 3900 im Sommer 1985 für Publikumsfahrten eingesetzt: Während eines Monates fuhr der Wagen in Oostende auf einem Parcour von 1.5 Kilometer anlässlich des 100-Jahr-Jubiläums der städtischen Verkehrsbetriebe.

Zu Besuch in der Heimat des Gyrobus G3

Seit 2001 gibt es in Berchem, einem Vorort der Stadt Antwerpen, ein Museum, wo der Nutzfahrzeug-Interessierte nebst Autobussen und Strassenbahnen auch den einzigen erhaltenen Gyrobus G3 mit der FBW Chassis Nr. 3900 bestaunen kann.

Vlaams Tram- en Autobusmuseum
Diksmuidelaan 42
2600 Antwerpen-Berchem
Telefon 0032 3 322 44 62

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