Voller Schwung unterwegs

Bereits in der Frühzeit des Rades vor rund 5000 Jahren kannte der Mensch Handspindeln und Töpferscheiben mit Schwungrad. Mitte des 19. Jh. kamen die ersten Kreiselkompasse auf. Der erste erfolgsversprechende Elektrogyro wurde 1944 von der Maschinenfabrik Oerlikon patentiert. Das neue, umweltfreundliche Antriebsprinzip mit dem Buschassis aus Wetzikon fand weltweit grosse Beachtung. Nicht nur fuhr der Gyrobus in Yverdon-les-Bains, sondern auch im belgischen Gent sowie in damaligen Léopoldville im damaligen Belgisch-Kongo. Am 17. Januar 1956 verlies Chassis Nr. 3900 die Werkhallen von FBW. Es sollte der letzte gebaute Gyrobus sein.

 
Vom "Gyro" zum "Elektrogyro"
 
Die Technik des Gyrobus
 
Hoffnungsträger mit kurzem Auftritt
 
Abstecher nach Österreich
 
Von der Schweiz nach Belgien
 
Botschafter im kolonialen Afrika
 
Der Gyrobus kam wieder in die Heimat
 

Meilensteine

1884

Der Amerikaner John A. Howell baut ein Torpedo, bei dem ein Schwungrad als Antriebsquelle und als Richtungsstabilisator (Kompass) diente.

1905

Der Engländer Frederick Lanchester patentiert die Verbindung eines Verbrennungsmotors mit einem Schwungrad-Speicher. In seiner Patentschrift beschreibt er auch einen Omnibus mit Schwungradantrieb, der an den Haltestellen mechanisch aufgeladen werden sollte.

1921

Die Deutschen Stein und Matterdorf patentieren ein elektrisches Gyroschiff.

1944

Schweizer Patente zu Elektrogyro-Fahrzeugen der Maschinenfabrik Oerlikon MFO.

1946

English Electric baut eine Elektrolok mit Schwungrad als Energiespeicher bei Stromunterbrüchen.

1946

MFO präsentiert den ersten normalspurigen Schienentraktor mit Gyro-Antrieb.

1948

Entscheid der MFO zum Bau eines Versuchs-Gyrobus.

1950

Am 12. Juli erhält der erste Gyrobus der Welt in Zürich die erste Verkehrszulassung. Erste Publikumsfahrten wurden in Altdorf (Kanton Uri), Yverdon (Waadt) und Aarau (Aargau) durchgeführt.

1951

Der Versuchs-Gyrobus (Kontrollschild ZH 50368) verkehrt im sankt-galler Rheintal ab 30. März zwischen Heerbrugg, Diepoldsau und Hohenems (Österreich).

1953

Am 30. September wird der Gyrobus-Betrieb zwischen Yverdon und Grandson mit zwei Bussen MFO/FBW/CA eröffnet.

1955

Eine Flotte von 12 vollständig in der Schweiz durch MFO/FBW/CA gebauten Gyrobussen nimmt in Léopoldville, Belgisch-Kongo (heute Kinshasa in der Demokratischen Republik Kongo) am 6. August den Betrieb auf. Insgesamt werden vier Linien befahren.

1955

Die ersten drei MFO-Gyrolokomotiven werden in Goldminen in der Nähe von Johannesburg in Südafrika geliefert.

1956

Die letzten drei von MFO/FBW/CA gebauten Gyrobusse werden an die Stadt Gent in Belgien geliefert. Der Betrieb wird am 10. September aufgenommen.

1956

Der «National Coal Board» in England stellt zwei Rangierlokomotiven mit je zwei MFO-Gyros in Betrieb.

1959

Einstellung des Gyrobus-Betriebs in Belgien am 24. November.

1960

Einstellung des Gyrobus-Betriebs in Yverdon am 31. Oktober.

1985

Zum 100-Jahr-Jubiläum der städtischen Verkehrsbetriebe von Oostende in Belgien verkehrt der restaurierte Gyrobus G3 zwischen 16. Juli und 18. August.

2003

Der Gyrobus G3 aus Belgien nimmt am 50-Jahr-Jubliäum der städtischen Verkehrsbetriebe von Yverdon-les-Bains vom 4. Oktober statt.

Das einzige in Betrieb stehende Gyro-Fahrzeug ist eine Tunnel-Lokomotive, welche im stillgelegten Eisenerz-Bergwerk Gonzen bei Sargans in der Schweiz (www.bergwerk-gonzen.ch, Telefon 081 723 12 17) den «Gonzenexpress» auf einer Strecke von rund zwei Kilometern durch den Berg zieht.
 

Chassis-Nummern und Wagenfarben

812 1 Versuchs-Gyrobus.
aufgebaut auf einem Lkw-Chassis aus dem Jahre 1932.
Wagenfarbe: VBZ-Blau mit weissem Fensterband.
3495 / 3496 2 Gyrobusse nach Yverdon-les-Bains.
Wagenfarbe: Leuchtrot mit gelbem Fensterband.
3497 1 Chassis geliefert an MFO, wurde Vorführfahrzeug MFO.
3644 - 3655 12 Gyrobusse nach Léopoldville, Belgisch-Kongo.
Wagenfarbe: VBZ-Blau mit weissem Fensterband.
3898 – 3900 3 Gyrobusse nach Gent, Belgien.
Wagenfarbe: Leuchtrot mit gelbem Fensterband.

Der Autor

Beat Winterflood (1959) ist Publizist BR SJF und Buchautor. Zusammen mit seiner Familie lebt er in Gossau. Seit 1996 leitet der Maschinen- und Energieingenieur das Büro EngineeringCommunication, welches nebst Fachbeiträgen im Bereich Mobilität, Logistik und Historik Corporate Communications-Projekte für international tätige Firmen und Organisationen bearbeitet. Im Hoffmann Verlag in Gerlingen b. Stuttgart ist das Buch mit dem Titel «Gast-Häuser und Historische Hotels in Schottland und Nordengland» erschienen.

 

Webmaster

Diese Story über FBW Gyrobusse und die gesamte Website wurde von Sven H. Tiemann umgesetzt und gestaltet. Sven Tiemann ist Informatik-Projektleiter im Bereich Öffentliche Verwaltungen. Nebenbei führt er ein eigenes Oldtimer-Bus-Unternehmen mit mittlerweile 7 FBW Fahrzeugen. Seine Adresse: Verkehrsbetriebe Sven Tiemann, Zelgliackerstrasse 1, 8618 Oetwil am See, Tel.: 01/799 13 40, Fax: 01/799 13 42, Website: www.svenibus.ch, E-Mail: sven@tiemann.ch