Hoffnungsträger mit kurzem Auftritt
Place Pestalozzi: Am 30. September 1953 wurde der Gyrobusbetrieb von Yverdon offiziell eröffnet. Bild: Stadtarchiv Yverdon-les-Bains.
Hoher Gast aus Bern: Selbst Bundesrat Max Petitpierre wollte die technischen Pionierleistung sehen. Bild: Stadtarchiv Yverdon-les-Bains.
Das Chassis der Serienfahrzeuge unterschied sich wesentlich vom Prototypen. Im Bild Chassis Nr. 3495 (Yverdon-les-Bains). Bild: Chronikstube Wetzikon.
1948 gab die MFO-Geschäftsleitung grünes Licht für die Entwicklung eines pneubereiften Gyrobus und schon 1950 konnte der neun Tonnen schwere Wagen an der Mustermesse in Basel einem begeisterten Publikum vorgestellt werden. „Der Gyrobus läuft wie ein Trolleybus auf Gummireifen, benötigt aber keine Oberleitung und auch keine Batterie. Die Räder werden von einem Drehstrom-Kurzschlussankermotor angetrieben, der die elektrische Energie einem mitgeführten, horizontal umlaufenden Schwungrand entnimmt.“ Nach erfolgreichen Versuchen in Altdorf, Aarau und im sankt-gallischen Rheintal bestellte die neugegründete «Société anonyme des Transport Publics Yverdon – Grandson» TPYG bei der Maschinenfabrik Oerlikon MFO zwei 70-plätzige Busse. „Diese verkehrten auf der rund acht Kilometer langen Strecke «Tuileries de Grandson – Condémines»“, errinnert sich der heute 76-jährige, ehemalige Werkstattchef Albert Vesin. „Am Place Bel-Air im Stadtzentrum wurden die Wagen zwischengeladen.“ Stolz ist Vesin auch auf seinen offiziellen Führerausweis mit dem Eintrag «Gyrobus». „Alle fünf 1953 eingestellten Chauffeure haben die Prüfung in Yverdon absolviert, die Experten kamen dazu aus Lausanne angereist.“ Während Mitte der 50er Jahre MFO weitere 15 Gyrobusse nach Léopoldville (Belgisch-Kongo) und Gent (Belgien) lieferte, häuften sich bei den TPYG die technischen Probleme des Kreiselsystems. Auch war die Chassiskonstruktion nicht genügend stark ausgelegt. „Regelmässig mussten wir die beiden Busse mit einem Lastwagen nach Oerlikon schleppen. Das war im unbeheizten Wagen im Winter kein grosses Vergnügen“, bemerkt Vesin. „Dazu kam, dass wir wegen den Ausfällen oft dieselbetriebene Postautos zumieten mussten. Die nette Geste seitens der MFO, uns auch den Prototyp als Reservefahrzeug zu überlassen, nützte unserem kleinen Betrieb wenig.“ Bereits im Jahre 1960, nach einer Fahrleistung von insgesamt rund 720'000 Kilometern, wurden die beiden Gyrobusse durch drei neue Dieselfahrzeuge Saurer-OM mit Frontantrieb ersetzt. Diese bei der «Carrosserie du Relay» in Yverdon aufgebauten Midi-Busse waren bereits damals eine Niederflurkonstruktion! „Geblieben aus der Zeit des Gyrobus ist die Errinnerung, als zur Mittagszeit die beiden überfüllten Busse die Paillard-Arbeiter nach Hause brachten“, ergänzt Vesin mit einem tränenden Auge während unseres Gesprächs im Stadtarchiv am Place Pestalozzi. Die Firma Paillard mit ihren weltbekannten Hermes-Schreibmaschinen und den legendären Bolex-Filmkameras, mit denen in den 50er Jahre u.a. am Himalya gedreht wurde, prägte während vielen Jahren das wirtschaftliche Geschehen in der Stadt am Neuenburgersee. Leider gehört auch dieses Stück Schweizer Industriegeschichte der Vergangenheit an.

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