FBW - Antriebskonzepte nach Mass
Die FBW-Doppelachse Das FBW Unterflurkonzept FBW und Umweltschutz
‘Motoren-Franz’ - ein Mensch von ausserordenlicher Vielseitigkeit und Ideenreichtum, revolutionierte in vielen Bereichen des Fahrzeugbaus die Fachwelt. Ihm war auch bewusst, dass seine relativ kleine Firma nicht sämtliche Fahrzeugkomponenten selbst entwickeln und bauen konnte. Die FBW-Philosophie des "Fahrzeuges nach Mass", wo der Kunde seine gewünschte Konfiguration unter Verwendung von erprobten, teilweise zugekauften Serienkomponenten zusammenstellt, ermöglichten es, trotzdem kostengünstig zu produzieren. So wurden - vor allem in der Anfangszeit - Motoren und Getriebe zugekauft. Da es den Rahmen dieses Beitrags sprengen würde, auf alle Antriebskonzepte von FBW einzugehen, haben wir zwei besonders bedeutsame Entwicklungen herausgegriffen.

Die FBW -Doppelachse - der sanfte Umgang mit der Ladung

Die Strassen der 20er Jahre waren weitgehend unbefestigt und oft mit Schlaglöchern durchsetzt. So setzte sich FBW zum Ziel, dem Kunden ein Fahrzeug zu bauen, das einen möglichst hohen Fahrkomfort für Mensch und Fracht bot. Das 3-achsige Nutzfahrzeug mit hinterer Doppelachse war geboren. Heikle Güter, so z.B. Käselaibe und Fahrgäste, konnten so sanfter transportiert werden. In der Folge baute FBW in relativ kurzer Zeit über 60 Dreiachser mit Lastwagen- und Postautoaufbauten.  
Beide Hinterachsen sind durch drehbare Kardanrohre miteinander verbunden. Die Laufräder passen sich automatisch der Unebenheit an.
Die Vorteile des Dreiachsers. Abbildungen aus dem FBW Prospekt von 1925.
3-achsiger Käsetransporter. Aufnahme ca. 1936.
Die kommerzielle Erfolg der Entwicklung erstaut auch deshalb, da die dazumalige Gesetzgebung in der Schweiz für 2-Achser 11 Tonnen Gesamtgewicht zuliess und den 3-Achsern nur 13 Tonnen zugestanden wurde. Im Gegensatz zu heute - bedeutete der 3-Achser für den Betreiber Wirtschaftlichkeit und Konkurrenzfähigkeit wegen dem erhöhten Fahrkomfort und Ersparnissen an Personal- und Unterhaltskosten sowie Treibstoffen.

Das FBW “Unterflurkonzept" - zusammen mit dem halbautomatischen Planetengetriebe - führte zum Erfolg im Busbau

Ab 1951 baute FBW sog. Unterflurchassis für Lastwagen, Reisecars, Stadt- und Überlandbusse. Der damals unter der Typenbezeichnung EDU auf den Markt gebrauchte 6-Zylinder Unterflur-Dieselmotor war der erste schweizerischer Herkunft. Die Unterflurkonstruktion ermöglichte die volle Ausnützung der Wagengrundfläche und wies auch fahrdynamische Vorteile auf. So bietet sie eine hervorragende Strassenlage durch den tiefen Schwerpunkt, ebenfalls waren die Reparaturkosten wegen des vereinfachten Antriebsstranges gegenüber den dazumals üblichen Lösungen tiefer. “Bequemer Ein- und Ausstieg auf beiden Seiten durch freien Durchgang im Fahrerhaus, trotz kurzer Bauart bietet die Kabine Platz für vier Personen", stand im FBW-Firmenprospekt zu lesen.
Ein FBW ED51U-Unterflurmotor mit 140 PS. Eingebaut 1952 in einen Reisecar mit 33 Sitzplätzen.
Nach Aussagen von H.R. Kaegi, dem ehemaligen Chefkonstrukteur von FBW, hat man auch die Möglichkeiten eines "Unterflur- Sattelschleppers" untersucht: "Das Konzept hätte wegen der kurzen Radstände einen neuen Motor in Boxerbauart bedingt, der jedoch nicht zur Verfügung stand". Besonders im Reisecar- und Autobusbau setzte sich die FBW-Unterflurbauweise durch. Unterstützt wurde der Erfolg von FBW durch den weitsichtigen Entscheid, ein halbautomatisches Getriebe anzubieten. Besonders im Autobusbetrieb mit den häufigen Gangwechseln erkannten die verantwortlichen FBW-Konstrukteure die Wichtigkeit, den Fahrer zu entlasten. Die Firma Self Changing Gears in England produzierte schon seit einiger Zeit sog. Planetengetriebe, bekannt unter dem Namen ‘Wilson-Getriebe’. So wurde der erste im Jahr 1951 vorgestellte FBW-Unterflur-Autobus mit einem Original-Wilson-Getriebe ausgerüstet. 1953 begann man in Wetzikon mit der Lizenzfabrikation und später wurde die Konstruktion verstärkt und den Verhältnissen der schweizer Topographie angepasst. Mit dem Entscheid, Planetengetriebe zu bauen, setzte FBW den Grundstein für den erfolgreichen und international anerkannten Getriebebau. So wurden FBW-Getriebe kundenwunschentsprechend auch in viele Konkurrenzfahrzeuge eingebaut.
 
Zwei grossartige Busse treffen sich: Der FBW Alpenwagen IV und ein Routemaster RM 1955 bei der Westminster Bridge in London. Gemeinsamkeit: Das halbautomatische Planetengetriebe und die Rechtslenkung! Unterschied: Der RM verfügte schon dazumal über eine selbsttragende Alu-Karrosserie ! Vom FBW Alpenwagen wurden zwischen 1954 und 1966 über 140 Stück hergestellt.
1959 vorgestellt und in 12 Exemplaren gebaut: Hochlenker -Autobus für die Verkehrsbetriebe der Stadt Zürich. Turbodiesel mit 210 PS, halbautomatisches Planetengetriebe, max. 116 Fahrgäste. Aufnahme (1959) vor dem Kontrolltower des Flughafens Zürich-Kloten.
Von 1975 bis 1982 in grösserer Stückzahl gebaut: Gelenkbus-Chassis 91-GS mit Planeten-Hinterachse und starrer Nachlaufachse. Im Bild ein Chassis aus einer Serie von 29 Stk. für die Stadt Genf mit dem schadstoffarmen EU4AK-Motor mit 280 PS.

FBW und Umweltschutz

1971 stellte FBW die Schrift ‘Dieselautobus und Umweltschutz’ vor. Darin wurden motorinterne Massnahmen zur Verbesserung des Abgasverhaltens aber auch nachgeschaltete Anlagen ‘zum Zweck der Umwandlung der Schadstoffe in unschädliche Verbindungen’ erwäht. Ein Jahr später war es soweit: Am Autosalon in Genf präsentierte FBW den Unterflurmotor CUA mit Katalysator. Der Motor wurde in viele Kehrrichtwagen eingebaut, die innerstädtisch verkehrten. Als Einzelexemplar wurde aber auch ein Gelenkbus mit zwei CUA-Motoren gebaut. Es war somit plausibel, warum zuerst die CUA-Motoren ‘entgiftet’ wurden.
Der CUA-Motor wurde vor allem in mittelgrossen Fahrzeugen ab 1964 eingesetzt. Er leistete mit dem Abgasturbolader 160 PS (bei 2’400 1/min). 1972 wurde er mit einem Katalysator vorgestellt.

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