Epilog
Das Werkareal im Jahre 1968
Menschen, Freundschaften und Kommunikation hatten für die Familie Brozincevic immer eine besondere Bedeutung. Auch in Krisenzeiten konnten Entlassungen durch eine weitsichtige Planung und die Verbundenheit mit der Belegschaft vermieden werden. Als Anfangs der 30er Jahre die Weltwirtschaftskrise mit massiven Bestellungsrückgängen im Lastwagensektor ihre Folgen zeigte, baute man erfolgreich die ersten Trolleybusse. Auch meisterte FBW die Rezession nach der 1. Erdölkrise von 1973 mit dem Bau von über 100 modernsten Trolleybussen. Als Brozincevic mit 15 Jahren auf Wanderschaft war, lernte er einen Ungarn namens Balug kennen. Dieser reiste nach den USA und 30 Jahre später wurde aus der Jugendfreundschaft auch eine Geschäftsbeziehung: ‘Ballough’ - so wie Balug jetzt hiess - war Direktor der Hercules-Motorenwerke in Canton, Ohio, und lieferte FBW über 50 Motoren für die leichten Lastwagen des F-Typs.
Die Montagehalle im Jahre 1967: Bau von Unterflur-Gelenkbussen.
Kurbelwellenbearbeitung
Zusammenbau des Planetengetriebes.
Ich glaube, es ist Franz Brozincevic’s kommunikativen Fähigkeiten zu verdanken, dass seine technisch hervorragenden Produkte auch ankamen. Ein besonders Augenmerk richtete man auf ausagekräfige Photographien und graphisch ansprechend gestaltete Dokumentationen und Prospekte. Seine Begeisterung für das Visuelle hat den FBW-Geist bis zuletzt mitgeprägt.
Handskizze von H.R. Kaegi, dem letzten FBW-Chefkonstrukteur. Ca. 1979.
Ein erfolgreiches Produkt entsteht nicht einfach. Viele Teilschritte und die Fähigkeiten einer ganzen Belegschaft waren gefordert. Im langen Lebenszyklus eines Nutzfahrzeugs spielen auch die Chauffeure eine wesentliche Rolle, waren sie es ja, die das Fahrzeug während 20 und mehr Jahren begleiteten. Unzählige Geschichten sind auf diesen Fahrten passiert, ohne dass sie je aufgeschrieben wurden, so z.B.: “Als 18-jähriger Chauffeur war ich oft nach Antwerpen unterwegs, um dort die aus England ankommenden Waren in die Schweiz zu fahren. Mit unseren 110 PS und 40 Tonnen Gesamtgewicht war es bei Eis und Schnee oft unmöglich, die Ardennen zu überwinden. So taten wir Schweizer uns zusammen und bildeten mit Verbundstangen einen Konvoi mit bis zu fünf Lastwagenzügen.” erzählte mir Fritz von Ow aus Hinwil. “Mein Vater kochte dann für uns alle in seiner damals futuristisch anmutenden Frech-Hoch-Schlafkabine. Drin gabs auch einen Einbaukocher samt Kühlschrank.”
Die Abfahrt im Hafen von Antwerpen. Rechts im Bild H. von Ow vor seinem FBW L70-U mit Schlafkabine. Aufnahme ca. 1955.

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