Technik - Dominik Zwicky über Schmierung und Schmierstoffe
 
2. Mail von Dominik an mich:

Hallo Sven

24576km später...
wir haben's also tatsächlich geschafft und sind mit sack und pack und reisekino wieder zurück in Europa. seit über einem monat schon, um genau zu sein. inzwischen habe ich in bonn das winterlager aufgeschlagen, den bus sicher untergestellt und das katapu dachbodenkino eingeweiht. Daneben werkle ich - wie du dir vorstellen kannst - die kommenden
wochen und monate am hai rum. auf der reise mussten wir doch so einiges notdürftig reparieren, was jetzt nochmal richtig gemacht werden muss. (ich könnt ja mal beim fbw-club einen wochenendworkshop anbieten: dichtungen schnitzen aus milchtüten, fahren ohne druckregler, 1000 ersatzteile aus draht...)

bei einem problem blick ich allerdings nicht ganz durch und da mir weder shell noch bosch kompetent auskunft geben konnte, wollt ich dich mal fragen, ob dir dazu was einfällt: das problem betrifft den kompressor. neben luftdruck wird leider auch etwas Öl ins system gepresst. Die menge ist nicht gross. allerdings ist dieses Öl extrem dick und harzig, eher schon wie teer. und setzt mir natürlich mit der zeit sämtliche regler und ventile im pneumatischen system zu. bei shell meinten sie: na logisch, in einen
kompressor gehört kompressoröl und nicht motorenöl. der kompressor ist aber - wie du weisst - an den motorölkreislauf angeschlossen. und die werden sich damals auch was dabei gedacht haben...

da ich in der vergangenheit dieses problem nicht hatte, kann es natürlich auch daran liegen, dass nur das motorenöl, was ich jetzt benutze zu dieser verharzung neigt. momentan fahre ich ein mineralisches 15-W50 er Öl. qualität CF4. Welche Erfahrungen hast du mit motorenölen gemacht. benutzt du ein einbereichsöl (SAE20) wie vorgeschrieben, oder auch ein mehrbereichsöl? irgendwelche probleme mit dem kompressor? und welche ölwechselintervalle machst du?

und wenn wir schon dabei sind: ich hab vor der reise neues kupplungsöl reingekippt. laut plan gehört da shell tellus 15 rein. das gibt es aber nicht mehr sondern nur tellus 10 und tellus 20. die jungs vonshell meinten dann tellus 10 sei was ich brauche. seither hab ich ca. 10% mehr dieselverbrauch - wobei ich natürlich nicht sicher sagen kann, dass dies wegen dem ölwechsel ist. kommt nur zeitlich einfach hin. ich hab mir so eine theorie zurechtgelegt, dass aufgrund der etwas niedrigeren viskosität des öls der schlupf im drehmomentwandler etwas grösser ist - und dadurch mehr verlust entsteht. bevor ich nun aber nächstes mal einfach das tellus 20 reinkippe doch noch eine rückfrage: welches öl benutzt du?

ja, soweit mal das wichtigste. ich wäre froh, wenn du mir weiterhelfen könntest - bzw. diese mail an fachleute weiterleitest, falls du welche kennst. ansonsten natürlich schon mal liebe weihnachtsgrüsse und en guete rutsch.

gruss
dominik

mailto: haifisch@katapu.org 
mailto: dominik.zwicky@gmx.net 

 

1. Mail von Dominik an DEA/Shell:

als besitzer eines schweizer oldtimerbusses vom anfang der 50er jahre bin ich mit einigen schmierstoffproblemen konfrontiert, bei denen ich profesionellen beistand brauche.

problem 1: der luftdruckkompressor (luftgekühltes kolbenmodell von bosch) presst neben druckluft auch ein etwas öl ins system. was weiter nicht schlimm wäre, das öl wird aber ganz dick und harzig (wie teer) und setzt mir sämtliche ventile mit der zeit zu. eine kompressorfirma meinte "kein wunder in den kompressor gehört als schmierstoff spezielles kompressoröl und nicht motorenöl". allerdings ist der kompressor an den schmierölkreislauf des motors angeschlossen und hat so bisher auch immer prima funktioniert. es könnte also daran liegen, dass das gegenwärtig verwendete öl 15W50 CF4 speziell zur verharzung neigt. fragen: welche komponenten im motorenöl bewirken die verharzung? was für ein öl wäre empfehlenswert, dass sowohl die schmierung des motors (11 liter dieselmaschine, 30jahre alt) als auch des angekoppelten kompressors sicherstellt?

problem 2. die kraftumsetzung erfolgt durch ein automatisch geschaltetes planetengetriebe, welches ich mit shell donax betreibe. im laufe der letzen 15'000km hat das öl eine gelbe färbung angenommen und riecht wie verbranntes haar. worauf deutet das hin?

problem 3. für den drehmomentwandler ist im betriebshandbuch Tellus 15 vorgeschrieben. da dieses nicht mehr produziert wird, wurde mir beim letzen ölwechsel tellus 10 eingefüllt. seither beobachte ich einen mehrverbrauch von 10% diesel. kann das dünnere öl ursache eines so grossen mehrverbrauchs sein (dünneres öl - mehr schlupf im wandler - mehr leistungsverluste)? empfiehlt es sich nächstes mal entsprechend das tellus 20 zu benutzen, oder sind die viskositätsunterschiede so gering, dass der mehrverbrauch eine andere ursache haben muss? 

letze frage: in der betriebsanleitung des motors wird als schmierstoff ein einbereichsöl (SAE 20) gefordert. die meisten kollegen mit ähnlichen, alten motoren benutzen aber mehrbereichsöle (z.b. 20w50). was spricht dagegen, dies zu tun?

ich hoffe, dass sie mir bei diesen wahrscheinlich nicht sehr alltäglichen fragen weiterhelfen können, bzw. die anfrage an eine fachperson weiterleiten - falls sie selbst auch nicht weiter wissen.

vielen dank schon mal für ihre bemühungen und mit freundlichen
vorweihnachtlichen grüssen

dominik zwicky

Folgende Antwort hat Dominik von Herrn Dipl. ing. mach. Johannes Ruf von der DEA erhalten:

Sehr geehrter Herr Zwicky,

ich beziehe mich auf Ihre Mail an unseren Herrn Müller. Leider kenne ich die Konstruktion Ihres Fahrzeugs nicht im Detail, möchte aber zu Ihren Fragen wie folgt Antwort geben.

Problem 1: Obwohl Kolbenkompressoren von der Mechanik ähnlich aufgebaut sind wie Motoren, stellen sie an den Schmierstoff andere Anforderungen. Die Temperaturen sind vielfach höher als bei Verbrennungsmotoren. Die im Mehrbereichsmotorenöl enthaltenen Viskositätsindexverbesserer (VI-Improver) können beim Einsatz im Kolbenkompressor zu Ablagerungen führen. Beim Einsatz eines Einbereichsmotorenöls (z.B. Rimula X SAE 30 ganz ohne Viskositätsindexverbesserer) wäre das Problem mit größter Wahrscheinlichkeit gelöst.

Falls Sie wegen des besseren Startverhaltens ein Mehrbereichsöl einsetzen wollen, könnte man alternativ auch ein Motorenöl auf Basis eines unkonventionellen Grundöls (z.B. Shell Rimula Super FE SAE 10W-40) ausprobieren. Diese Öle enthalten auf Grund des besseren Viskositätsindex des Grundöls weniger VI-Improver. Wenn die Umstellung des Öls keineVerbesserung bringt, deutet dies auf verschlissene Dichtungen bzw. Kolbenringe im Kompressor hin.

Problem 2: Ihre Beschreibung deutet auf Oxidationsprodukte (Ölalterung) hin. Öl reagiert bei thermischer Beanspruchung mit dem Sauerstoff der Luft. Im extremsten Fall kann Ölkohle entstehen. Deshalb muss auch Getriebeöl, wenn es thermisch stark belastet wird ab und zu gewechselt werden. So lange das Öl noch keine dunkle Farbe hat und sich die Viskosität noch nicht verändert hat (Schmierstoffeindickung) ist das Öl noch einsatzfähig. Unabhängig davon empfehle ich Ihnen lieber einmal mehr das Öl zu wechseln.

Problem 3: Tendenziell würde ich, wenn eine Viskositätslage nicht mehr verfügbar ist, immer auf das höherviskose Öl (Tellus 22) wechseln, da Viskosität auch Schmierung bedeutet. Ob der Mehrverbrauch durch den schlechteren Wirkungsgrad verursacht wird kann ich leider nicht abschätzen. Ich würde beim nächsten mal einfach Tellus 22 ausprobieren. Heutige Wandler werden üblicherweise mit einer ISO VG 32 (Tegula 32) geschmiert. 

letzte Frage: Generell freut sich ein alter generalüberholter Motor der mit einer Ölfiltration ausgestattet ist auch über moderne Motorenöle. Bei Motoren mit hoher Laufleistung im ungeöffneten Originalzustand kann ein modernes Öl aber auf Grund der guten Reinigungswirkung zu Problemen mit den Dichtungen führen. Bei Motoren ohne Ölfilter (Vorkriegsfahrzeuge) sollten generell Öle ohne detergierende Eigenschaften eingesetzt werden. Die Viskosität alleine macht noch keine Aussage über die Qualität eines
Motorenöls. Mindestens genau so wichtig ist die Additivierung und die erfüllten Spezifikationen. Zu Ihrer Info hänge ich eine Abhandlung über Kfz-Schmierstoffe mit an, in
der viele Infos zu Schmierstoffen zusammengefasst sind:

(Abhandlung kann aus Copyright-Gründen hier nicht veröffentlich werden!)

Wenn Sie Ihr Fahrzeug über den Winter stilllegen empfehle ich Ihnen im Herbst nach der letzten Ausfahrt die Öle zu wechseln. Frisches Öl hat den besten Korrosionsschutz und man kann im Frühjahr ohne Bedenken zu ersten Ausfahrt starten.

Für Rückfragen stehe ich gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

Johannes Ruf

Dipl.-Ing. 

PS Ich fahre als Zweitfahrzeug NSU TT ;-)

Shell & DEA Direct GmbH
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