4428 – B71UH

Fahrzeug: B71UH Hochlenker
Baujahr: 1959
Chassis-No: 4428
Motor: FBW EDU-A 6-Zylinder Unterflur Diesel (125×150)
Hubraum: 11’045 cm3
Getriebe: PG 51, 
4- Gang halbautomatisches Planetengetriebe
Hinterachse: FBW Typ 71UH/121UH
Schnellgang: keinen
Gesamtgewicht: 18’000 kg
Geschwindigkeit: ca. 50 km/h
PS: 200
Aufbau: Gebr. Tüscher Zürich
Kabine: Hochlenker
Vorbesitzer: VBZ, Zürich
Heutiger Besitzer: FBW Club, Männedorf
Fahrzeugeinsatz: Stadt Zürich, vor allem Raum Hirzenbach, Oerlikon, Flughafen
Bemerkung: Prototyp einer Serie von insg. 12 Fahrzeugen
28 Sitzplätze, 88 Stehplätze, Total 116 Plätze
Das Fahrzeug ist mit einer Druckluft-Starter-Anlage (Typ Nova) ausgerüstet.
Betriebsnr. anfänglich 219, später 239
Höhe 3,5m
1987 verkauft an Peter Kamm Schlieren und Dieter Glatz Birmensdorf.
1989 Start Restauration.
1992  zurück an VBZ
1995 grosse Revision und Neulackierung

Die Geschichte der Hochlenker bei den VBZ (Ausschnitt aus einem Artikel von Arnold Wirz aus der „Ortsgeschichtlichen Sammlung Seebach“): 

„Dieser Beitrag erscheint in der OGS, weil der Hochlenkerbus von FBW auch in Seebach zum Einsatz kam. 1959 brachte Carrosserie- und Motorenbauer Franz Brozincevic (FBW) aus Wetzikon ZH zusammen mit Tüscher einen neuen Autobustyp heraus, den sogenannten Hochlenker oder FBW 71UH. Dabei war der Buschauffeur in einer rund 1.5 Meter höher platzierten Führerkanzel untergebracht, die ihm mehr Überblick gewährte. Wohl aus diesem Grunde bekam der Bus im Volksmund den Übernamen «Giraff».

Beschreibung:
Der Bus hatte ein Fassungsvermögen von 112 Fahrgästen, Stehplätze eingerechnet. Die Serie umfasste vorerst 12 Fahrzeuge. Hätten sie sich bewährt, wären weitere dazu gekommen. Soweit kam es aber nicht. Obwohl Kunden weltweit gesucht wurden, zeigten keine anderen Verkehrsbetriebe Interesse, sodass die Serienproduktion 1962 eingestellt werden musste. Nach anfänglicher Begeisterung der meisten VBZ-Busführer erwies sich der Einsatz der Hochlenker im Alltagsbetrieb nämlich schwieriger als anfänglich gedacht. Bald wurde es wieder ruhig um die Busse. Gegenüber dem Prototypen verpasste man den 11 Serienbussen einige Änderungen bei der Frontgestaltung, der Bestuhlung, niedrigeren Einstiegsplattformen hinten um nur ein paar zu nennen. Es gab auch Vereinfachungen der griechischen Art: Die Busse waren etwas spartanischer ausgestattet.

Gründe für den Verzicht auf weitere Busse dieser Bauart:
Welches die Gründe waren, warum die VBZ wieder vom Hochlenker abkamen, weiss heute fast niemand mehr. Deshalb seien sie hier kurz aufgeführt: Der wichtigste Grund sollen die positiven Erfahrungen mit dem neuen Saurer-Gelenkprototypen GUK gewesen sein, mit welchem der Hochlenker in Konkurrenz stand. Die Foto nebenan von 1982 zeigt in der Mitte einen ausrangierten Hochlenker und rechts daneben jenen Gelenkbus, welcher ihn ausgestochen hat. Bislang galt der Gelenkbus betrieblich noch als zu teuer, denn der Hochlenker war etwas länger als ein Standardbus und fasste mit 112 Plätzen auch etwas mehr Personen, sodass er nahe an einen Gelenkbus heran kam. Es gab allerdings noch weitere Gründe, die gegen den Hochlenker sprachen. Es waren dies der höhere Anschaffungspreis, kein so grosser Vorteil für den Chauffeur, der den höheren Preis gerechtfertigt hätte und beschränktere Einsatzmöglichkeit, da es damals in Zürich noch etliche Unterführungen gab, welche die Gefahr einer Dachberührung bargen, speziell in jenen Unterführungen, wo auch das Tram durchfuhr und die Fahrdrähte auf 3.5 m hinunter reichten und somit in das Lichtraumprofil des Busses ragten. Damals wurde die Unterführung der Schaffhauserstrasse beim Bahnhof Örlikon genannt. Ausserdem wären Hochlenker ausserhalb Zürichs nur mit aufwändigen Abklärungen einsatzfähig gewesen, es mangelte also am flexiblen Einsatz. Ob dies alle Gründe waren, kann die OGS nicht sagen. Es sind diejenigen, welche man seinerzeit der Tagespresse entnehmen konnte. In der VBZ-Busgeschichte findet man leider keine Hinweise zu diesem Punkt. 

Das Ende des Einsatzes bei der VBZ:
Der Prototyp des Hochlenkers trug 1959 die Nummer 219 und ab 1960 die neue Nr 239. Die nachfolgenden 11 Serienmodelle bekamen die Nummer 240 bis 250 und wurden 1960 bis 1961 ausgeliefert. Die Bussen blieben knapp 20 Jahre im Einsatz und wurden ab Ende der 1970er Jahre ausgemustert.

Quellen:
Tagespresse, OGS-eigene, Fabian Mösli (Sichtung in Rumänien 2006), VBZ, www.pfeffer.ch/fbwmuseum.htm (Firmengeschichte FBW), Martin Braunschweiler (Übername Giraff, einige weitere Präzisierungen und Verbesserungen im Text sowie Angaben zum Schicksal der Busse)“

Einige Aufnahmen von Dieter Glatz, vor und nach der Restaurierung, Ausfahrt über Filzbach und Kerenzerberg.

Dieter Glatz schreibt zu dieser Aufnahme aus dem Bildarchiv der ETH Zürich:

Automobilsalon Genf 1959. In einer separaten Halle wurden auch Nutzfahrzeuge ausgestellt. Auf dem Informationsstand der Firma Gebrüder Tüscher & Co Zürich, wurde die neueste Entwicklung im Stadtautobussektor vorgestellt. Ende der 50er Jahre nahm der Bevölkerungszuwachs in den Quartieren Oerlikon und Schwamendingen enorm zu. Um den gestiegen Fahrgastzahlen gerecht zu werden, wurden verschiedene Varianten getestet. In den Jahren 1954 und 1958 wurden 2 Gelenkautobus Prototypen angeschafft. Um die Anschaffung von Gelenkautobussen hinauszuzögern und trotzdem die Fahrgastkapazität zu erhöhen, entwickelten die Fa. Gebr. Tüscher & Co zusammen mit der Motorwagenfabrik FBW und den Organen der VBZ, 1959 den Hochlenkerbus Nr. 219 (ab 1960 Nr. 239). Mit der Hochlenkung wurden neue Wege beschritten. Wegleitend war das Ziel, die Grundfläche des Fahrzeuges möglichst weitgehend für die Personenbeförderung zu nutzen. Der Prototyp weist eine Länge von 12.05 m (bisher 11.19 m), eine Breite von 2.50 m (2.40 m) und ein Fassungsvermögen von 118 Personen (88 Personen) auf. Die Konstruktion wurde patentiert. Ein 6 Zylinder Dieselmotor mit Turbolader leistet 200 PS, ein pneumatisch geschaltetes 4 Gang Planetengetriebe erlaubten eine Höchstgeschwindigkeit von 55 Kmh. Die VBZ beschafften in den Jahren 1961/62 weitere 11 leicht geänderte Wagen mit den internen Nr. 240 – 250. Eine Vermarktung an andere Verkehrsbetriebe durch die Fa. Gebr. Tüscher & Co hatte leider keinen Erfolg. Der Wagen Nr. 239 befindet sich heute im FBW Museum Wetzikon. 

Blick Richtung Hallenstadion

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